C2 Okuma Sınavı (Lesen)Goethe-Zertifikat C2: Großes Deutsches Sprachdiplom · Modul Lesen — resmî Modellsatz düzeninde tam deneme
Gerçek sınavdaki dört bölümün tamamı: bir köşe yazısı, bölümlere ayrılmış bir bilgi metni, paragrafları çıkarılmış bir röportaj ve dört kısa ilan. 30 madde, 80 dakika, yaklaşık 3.500 kelimelik metin. Bitirince puanınızı Goethe ölçeğinde (100 üzerinden) ve her maddenin gerekçesini görürsünüz.
Modül
Lesen · Okuma
Bölüm
4 Teil · 30 Aufgaben
Süre
80 dakika
Puan
100 · eşik 60
Nasıl çalışır? Gerçek sınavdaki gibi önce yönergeyi, sonra metni okuyun. Teil 1 ve Teil 4’te 0 numaralı örnek çözülmüş olarak verilir; Teil 2 ve Teil 3’te örnek, resmî sınavdaki gibi metnin içinde işaretlidir. Teil 2–4’te cevabı açılır listeden seçersiniz. Süreyi isterseniz başlatın; süre dolunca test kilitlenmez. Sonunda «Değerlendir»e basın.
Gerçek sınav süresi: 80 dakika. Süreyi kendiniz başlatın.
Teil 1
Kommentar
Arbeitszeit: 25 Minuten · Aufgaben 1–10 (10)
Lesen Sie den folgenden Kommentar. Wählen Sie bei den Aufgaben 1–10 die Lösung a, b, c oder d. Es gibt nur eine richtige Lösung.
Aşağıdaki köşe yazısını okuyun. 1–10 arasındaki her soruda a, b, c ya da d seçeneğinden doğru olanı işaretleyin. Yalnız bir doğru cevap vardır.
KommentarLob allein rettet kein Ehrenamt„Ich bin Ehrenamtliche.“ Seit zweiundzwanzig Jahren leite ich in einem Turnverein am Rand von Hildesheim die Kinderturngruppen, seit sechs Jahren bin ich obendrein Vorsitzende. Wenn ich das auf Familienfeiern erzähle, ernte ich zuverlässig zwei Reaktionen. Die einen nicken anerkennend und versichern, so etwas könnten sie sich zeitlich niemals leisten. Die anderen lächeln ein wenig mitleidig, als hätte ich gestanden, meine Abende freiwillig mit Kreuzworträtseln zu verbringen. Beides ist gut gemeint, und beides trifft nicht den Kern.
Denn ich bin nicht aus Selbstlosigkeit in den Verein geraten, sondern aus Eigennutz – jedenfalls am Anfang. Meine Tochter wollte turnen, die Gruppe sollte mangels Übungsleiterin aufgelöst werden, und ich hatte wenig Lust, jeden Dienstag zwanzig Kilometer in die Stadt zu fahren. Geblieben bin ich aus einem anderen Grund: weil ich erlebt habe, wie ein schüchternes Kind zum ersten Mal allein über den Schwebebalken läuft und dabei vergisst, dass ihm jemand zusieht. Für solche Augenblicke nimmt man vieles in Kauf.
Vieles – aber nicht alles. Wer sich heute ehrenamtlich engagiert, braucht neben Idealismus vor allem eines: eine hohe Toleranz für Papier. Für jede Übungsleiterin muss ein erweitertes Führungszeugnis vorliegen, das regelmäßig erneuert wird. Wer beim Sommerfest Kuchen verkauft, sollte eine Hygienebelehrung nachweisen können. Datenschutzerklärungen für die Mitgliederliste, Meldungen an den Landessportbund, Abrechnungen für die Übungsleiterpauschale – all das erledigen Menschen, die tagsüber einem anderen Beruf nachgehen. Ich will nicht missverstanden werden: Die meisten dieser Regeln haben einen vernünftigen Kern, und auf das Führungszeugnis würde ich als Mutter keinesfalls verzichten wollen. Aber in der Summe entsteht ein Apparat, der eher zu einem mittelständischen Betrieb passt als zu einem Verein, dessen Vorstand sich einmal im Monat im Hinterzimmer einer Gaststätte trifft.
Dabei könnte man meinen, die Gesellschaft wisse, was sie an uns hat. In Sonntagsreden jedenfalls wird das Ehrenamt gern als „Kitt der Gesellschaft“ gefeiert, es gibt Ehrennadeln, Dankesurkunden und einmal im Jahr einen Empfang im Rathaus mit Sekt und Häppchen. Ich gehe gern hin. Nur fällt mir auf, dass dieselben Stimmen, die uns loben, kaum zögern, wenn es darum geht, Aufgaben auf uns abzuwälzen, für die eigentlich die öffentliche Hand zuständig wäre. Als die Grundschule im Ort keine Sportlehrkraft mehr fand, kam prompt die Anfrage, ob „der Verein nicht einspringen“ könne – unentgeltlich, versteht sich, und selbstverständlich mit pädagogischem Konzept. Wenn ein Hallenbad schließen soll, mögen doch bitte Vereine den Betrieb übernehmen; wird die Jugendarbeit gekürzt, heißt es, es gebe ja die Sportvereine. Anerkennung, so scheint mir manchmal, ist die preiswerteste Form der Bezahlung.
Man könnte es sich nun bequem machen und die Schuld allein bei Politik und Verwaltung abladen. Das wäre allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn auch wir Vereine tragen unseren Teil dazu bei, dass uns der Nachwuchs fehlt. Wer einmal an einer Jahreshauptversammlung teilgenommen hat, weiß, wovon ich spreche: drei Stunden Tagesordnung, Berichte, die niemand gelesen hat, Abstimmungen über Satzungsänderungen, deren Sinn sich nur Eingeweihten erschließt. Junge Leute, die vielleicht einen Nachmittag im Monat erübrigen könnten, schrecken wir mit der Erwartung ab, sich gleich für Jahre an ein Amt zu binden. Und wenn doch jemand mit einer neuen Idee kommt, bekommt er allzu oft den Satz zu hören: „Das haben wir schon immer so gemacht.“
Es ist schon bemerkenswert: Vereine, die sich gern als Schulen der Demokratie bezeichnen, tun sich mit Mitsprache oft besonders schwer. Wer neu dazukommt, soll erst einmal „mitlaufen“, bevor er etwas zu sagen hat. Auch ich habe mich dabei ertappt, Vorschläge jüngerer Mitglieder mit dem Hinweis abzutun, ihnen fehle noch der Überblick über die Abläufe. Dass gerade dieser unverstellte Blick von außen wertvoll sein könnte, ist mir erst spät aufgegangen.
Beispiel
0 Wie beurteilt die Autorin die üblichen Reaktionen auf ihr Engagement?
1 Was hat die Autorin ursprünglich zum Ehrenamt bewogen?
2 Wie äußert sich die Autorin zu den Vorschriften für Vereine?
3 Was meint die Autorin mit der Bemerkung, Anerkennung sei „die preiswerteste Form der Bezahlung“?
4 Welchen Vorwurf erhebt die Autorin gegen die Vereine selbst?
5 Was räumt die Autorin in Bezug auf ihr eigenes Verhalten ein?
Kommentar · FortsetzungEin Grund für diese Abwehr liegt vermutlich darin, dass niemand so recht sagen kann, was ein Verein heute eigentlich leisten soll. Sportstätte, Treffpunkt für Einsame, Integrationshelfer, Ferienbetreuung, Gesundheitsvorsorge – die Liste der Erwartungen wächst mit jedem neuen Förderprogramm. Wer all das gleichzeitig erfüllen soll, klammert sich verständlicherweise an das, was er kennt. Das Bewährte gibt Halt, wo alles andere unübersichtlich geworden ist.
Wenn ich ehrlich bin, steckt hinter dieser Haltung bei vielen von uns noch etwas anderes: die Sorge, ersetzbar zu sein. Wer zwanzig Jahre lang das Sommerfest organisiert hat, hat sich mit dieser Aufgabe auch einen Platz im Ort erarbeitet. Gibt man sie ab, fürchtet man, mit ihr auch die Achtung zu verlieren, die einem über all die Jahre zuteilgeworden ist. Also macht man weiter, klagt über die Last und verhindert zugleich, dass andere sie einem abnehmen.
Was also tun? Vor zwei Jahren haben wir in unserem Verein etwas ausprobiert, das zunächst auf heftigen Widerstand stieß. Statt neue Mitglieder sofort in Ämter zu drängen, bieten wir seitdem zeitlich begrenzte Projekte an: die Renovierung des Geräteraums, eine Laufgruppe für Berufstätige, die Betreuung unseres Internetauftritts für ein halbes Jahr. Wer mitmacht, entscheidet selbst, wie viel Zeit er investiert, und erfährt am Ende, was sein Beitrag bewirkt hat. Außerdem haben wir die Jahreshauptversammlung auf neunzig Minuten verkürzt; sämtliche Berichte werden vorab verschickt.
Die Bilanz ist durchwachsen, und ich will sie nicht schönreden. Etwa zwanzig Personen haben sich seither an einem Projekt beteiligt, die meisten von ihnen jünger als dreißig. Ein festes Amt übernommen haben bislang allerdings nur zwei. Einige ältere Mitglieder empfinden die Neuerungen nach wie vor als Geringschätzung ihrer jahrzehntelangen Arbeit, und manches Projekt ist im Sande verlaufen, weil sich am Ende niemand zuständig fühlte. Zum alten Modell zurückkehren möchte ich trotzdem nicht.
Denn eines hat sich spürbar verändert: Im Vorstand reden wir heute anders miteinander. Wir fragen häufiger, warum wir etwas tun, und nicht nur, wie wir es bisher getan haben. Wer das für eine Kleinigkeit hält, hat noch nie an einer Vorstandssitzung teilgenommen. Das Ehrenamt wird nicht dadurch gerettet, dass man es in Festreden lobt, und auch nicht dadurch, dass die Ehrenamtlichen über mangelnde Wertschätzung klagen. Es wird gerettet, wenn wir bereit sind, es so zu gestalten, dass auch Menschen mit wenig Zeit darin einen Platz finden. Dass dieser Weg länger dauert, als manchen lieb ist, gehört dazu.
Sabine Krull ist Vorsitzende eines Turnvereins in Niedersachsen.
6 Warum halten Vereine nach Ansicht der Autorin am Bewährten fest?
7 Welche Befürchtung schreibt die Autorin vielen langjährigen Ehrenamtlichen zu?
8 Was kennzeichnet das neue Modell im Verein der Autorin?
9 Wie bewertet die Autorin die Ergebnisse der letzten zwei Jahre?
10 Worin sieht die Autorin den wichtigsten Ertrag der Veränderungen?
Teil 2
Sachtext · Aussagen zuordnen
Arbeitszeit: 20 Minuten · Aufgaben 11–16 (6)
Sieben der folgenden Aussagen entsprechen dem Inhalt des Artikels „Die verlorene Nacht“. Ordnen Sie die Aussagen den jeweiligen Textabschnitten (11–16) zu. Eine Aussage ist bereits als Beispiel markiert und zugeordnet. Zwei Aussagen passen nicht.
Aşağıdaki ifadelerden yedisi «Die verlorene Nacht» makalesinin içeriğine uyar. İfadeleri ilgili paragraflara (11–16) eşleştirin. Bir ifade örnek olarak işaretlenip yerleştirilmiştir. İki ifade hiçbir paragrafa uymaz.
Aussagen0) Künstliches Licht galt lange als Inbegriff von Sicherheit und Fortschritt. (Beispiel)
a) Die Einsparungen durch sparsamere Leuchten wurden teilweise durch zusätzliche Beleuchtung aufgezehrt.
b) In Deutschland ist die Beleuchtung von Werbeanlagen nach Mitternacht inzwischen verboten.
c) Der Widerstand gegen weniger Licht beruht eher auf einem subjektiven Empfinden als auf belegten Gefahren.
d) Für viele Insekten wird eine Lichtquelle zur tödlichen Falle.
e) Freiwillige haben dazu beigetragen, das Ausmaß der Aufhellung realistischer einzuschätzen.
f) Durch den Einsatz von LED-Leuchten ist der Stromverbrauch der Straßenbeleuchtung insgesamt gestiegen.
g) Die gesundheitlichen Folgen nächtlicher Beleuchtung lassen sich nur schwer von anderen Belastungen trennen.
h) Manche Städte nehmen während bestimmter Wochen im Jahr Rücksicht auf ziehende Tiere.
aus einem WissenschaftsmagazinDie verlorene NachtWer heute in einer deutschen Großstadt nach oben blickt, sieht in klaren Nächten mit etwas Glück ein paar Dutzend Sterne. Die Milchstraße kennen viele Kinder nur noch aus Büchern. Was lange als harmlose Begleiterscheinung des Wohlstands galt, wird inzwischen als Umweltproblem eigener Art diskutiert – mit Folgen, die weit über den getrübten Blick in den Himmel hinausreichen.
Beispiel (0) → Aussage 0
Dabei war die Erleuchtung der Nacht über Generationen hinweg ein Versprechen. Mit den ersten Gaslaternen im 19. Jahrhundert wurden die Straßen sicherer, Geschäfte konnten länger öffnen, und das gesellschaftliche Leben verlagerte sich zunehmend in die Abendstunden. Eine hell erleuchtete Stadt war eine moderne Stadt; Dunkelheit dagegen stand für Rückständigkeit, Gefahr und Armut. An diesem Bild hat sich bis heute wenig geändert: Stellt eine Gemeinde neue Laternen auf, wird das in der Regel als Gewinn gefeiert.
(11) Die Kehrseite zeigt sich zuerst bei jenen Lebewesen, die auf die Dunkelheit angewiesen sind. Nachtaktive Insekten orientieren sich am Mond und an den Sternen; eine Straßenlaterne bringt dieses System durcheinander. Viele Falter umkreisen die Lichtquelle so lange, bis sie vor Erschöpfung zugrunde gehen oder von Fledermäusen erbeutet werden. Hochgerechnet auf die Millionen Leuchten in Deutschland ergeben sich Verluste, die nach Ansicht vieler Fachleute zum Rückgang der Insekten beitragen – wenn auch in einem Ausmaß, das sich bislang kaum beziffern lässt.
(12) Auch Zugvögel, die nachts unterwegs sind, lassen sich von künstlichem Licht in die Irre führen. Angestrahlte Hochhäuser, Sportstadien oder Industrieanlagen ziehen sie an; manche Tiere prallen gegen Glasfassaden, andere kreisen so lange um die Lichtquelle, bis ihnen die Kraft für den Weiterflug fehlt. In mehreren nordamerikanischen Städten werden deshalb während der Hauptzugzeiten die Fassadenbeleuchtungen großer Gebäude abgeschaltet. Selbst Bäume reagieren: In der Nähe von Laternen behalten sie ihr Laub im Herbst oft länger, was sie anfälliger für frühen Frost machen kann.
(13) Ob und wie stark der Mensch unter zu viel Licht in der Nacht leidet, ist dagegen umstritten. Gesichert ist, dass helles Licht am Abend – vor allem mit hohem Blauanteil – die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin hemmt. Einige Studien bringen nächtliche Außenbeleuchtung mit Schlafstörungen und sogar mit bestimmten Erkrankungen in Verbindung. Kritiker wenden jedoch ein, dass in solchen Untersuchungen viele andere Faktoren mitspielen: Wer an einer hell erleuchteten Hauptstraße wohnt, ist meist auch mehr Lärm und schlechterer Luft ausgesetzt. Den Einfluss des Lichts sauber herauszurechnen, ist bislang kaum gelungen.
(14) Große Hoffnungen ruhten auf der Umstellung auf LED-Technik. Die modernen Leuchten verbrauchen deutlich weniger Strom und lassen sich gezielter ausrichten. Doch die Rechnung ging nur zum Teil auf. Weil Licht billiger wurde, haben viele Kommunen und Unternehmen schlicht mehr davon installiert: Parkplätze, Fassaden und Werbetafeln, die früher dunkel blieben, leuchten heute die ganze Nacht. Fachleute sprechen von einem Rebound-Effekt. Hinzu kommt, dass frühe LED-Generationen ein kaltweißes Licht mit hohem Blauanteil abgaben, das Tiere und Menschen besonders stark beeinträchtigt.
(15) Wie stark die Nacht tatsächlich heller wird, ist erstaunlich schwer zu messen. Satelliten erfassen zwar die nach oben abgestrahlte Lichtmenge, doch ihre Sensoren sind für den blauen Anteil moderner LED-Leuchten weitgehend blind. Aufschlussreicher waren die Beobachtungen von Zehntausenden Laien weltweit, die über Jahre hinweg festhielten, welche Sterne sie mit bloßem Auge noch erkennen konnten. Ihre Daten deuten darauf hin, dass der Himmel deutlich schneller aufhellt, als es die Satellitenmessungen vermuten ließen.
(16) Dabei wären Gegenmaßnahmen oft einfach und kostengünstig. Leuchten, die nur nach unten strahlen, warmweißes Licht, Bewegungsmelder auf Fußwegen und das Abschalten von Werbeanlagen nach Mitternacht könnten die Lichtmenge erheblich verringern, ohne dass jemand im Dunkeln stehen müsste. Dass solche Vorschläge dennoch häufig scheitern, liegt weniger an der Technik als am Gefühl vieler Bürgerinnen und Bürger: Eine dunkle Straße wirkt bedrohlich, auch wenn sich ein Zusammenhang zwischen Beleuchtung und Kriminalität in Studien keineswegs eindeutig nachweisen lässt. Gegen dieses Empfinden kommen selbst gute Argumente nur schwer an.
11 Abschnitt 11 („Die Kehrseite zeigt sich zuerst …“)
12 Abschnitt 12 („Auch Zugvögel …“)
13 Abschnitt 13 („Ob und wie stark der Mensch …“)
14 Abschnitt 14 („Große Hoffnungen …“)
15 Abschnitt 15 („Wie stark die Nacht …“)
16 Abschnitt 16 („Dabei wären Gegenmaßnahmen …“)
Teil 3
Reportage · Textabschnitte einsetzen
Arbeitszeit: 25 Minuten · Aufgaben 17–22 (6)
Lesen Sie die folgende Reportage, aus der Textabschnitte entfernt wurden. Setzen Sie die Abschnitte in den Text ein (17–22). Ein Textabschnitt passt nicht. Ein Abschnitt ist bereits als Beispiel eingefügt.
Bazı paragrafları çıkarılmış aşağıdaki röportajı okuyun. Paragrafları metindeki boşluklara (17–22) yerleştirin. Bir paragraf hiçbir yere uymaz. Bir paragraf örnek olarak yerleştirilmiştir.
ReportageDer Ton aus der GrubeWenn Martin Lindner morgens die Halle betritt, riecht es nach feuchtem Lehm, nach kaltem Rauch und ein wenig nach Stall. Der 56-Jährige führt die Glockengießerei, die seine Familie seit sieben Generationen in einem kleinen Ort im Odenwald betreibt. Von außen erinnert nichts an ein Handwerk mit jahrhundertealter Tradition: ein schlichter Zweckbau, daneben ein Schotterparkplatz und ein Container für Altmetall. Drinnen aber, in einer drei Meter tiefen Grube, entstehen Instrumente, die noch erklingen werden, wenn keiner von denen, die heute an ihnen arbeiten, mehr am Leben ist.
Beispiel (0): „Eine Glocke gießt man nicht für sich, sondern für die Urenkel“, sagt Lindner und klopft mit dem Knöchel gegen eine mannshohe Form aus Lehm. Sie ist für eine Kirche in Westfalen bestimmt, deren alte Glocke im vergangenen Winter einen Riss bekommen hat. Bis die neue im Turm hängt, werden fast fünf Monate vergangen sein.
Die meiste Zeit davon nimmt nicht der Guss in Anspruch, sondern die Vorbereitung. Zunächst mauern die Gießer aus Ziegeln einen Kern, der mit Lehm überzogen und mithilfe einer drehbaren Schablone exakt geformt wird. Darüber entsteht die sogenannte falsche Glocke, ein Modell, das genau die Gestalt der späteren Glocke hat, und darüber wiederum der Mantel. Gearbeitet wird dabei fast ausschließlich mit Stoffen, die schon vor dreihundert Jahren in Gebrauch waren.
(17) ……………
Ist der Mantel getrocknet, heben die Gießer ihn vorsichtig ab und zerschlagen die falsche Glocke. So entsteht zwischen Kern und Mantel ein Hohlraum, in den später die Bronze fließt. Anschließend wird die Form in der Grube eingegraben und mit Erde festgestampft, damit sie dem Druck des flüssigen Metalls standhält.
(18) ……………
Rund 1100 Grad heiß ist die Bronze, eine Legierung aus etwa vier Fünfteln Kupfer und einem Fünftel Zinn. Sie leuchtet orangerot, als sie durch eine Rinne in die Form strömt, und für einen Augenblick wird es in der Halle vollkommen still. Niemand spricht, bis Lindner nickt. Dann gibt es Applaus, und der Pfarrer spricht ein kurzes Gebet.
(19) ……………
Als die Glocke schließlich aus der Grube gehoben wird, ist sie von einer schwarzen Kruste überzogen. Zwei Mitarbeiter schlagen den Lehm ab und bürsten die Oberfläche, bis die Bronze matt zu schimmern beginnt. Erst dann folgt der Moment, auf den alle gewartet haben: Lindner schlägt die Glocke zum ersten Mal an.
(20) ……………
Diesmal genügen kleine Korrekturen. Die Glocke soll im Turm mit zwei älteren Glocken zusammenklingen, die den Zweiten Weltkrieg überstanden haben. Viele Gemeinden mussten damals ihre Glocken abliefern, damit sie eingeschmolzen und für die Rüstung verwendet werden konnten; nur ein Teil kehrte nach Kriegsende zurück. Wer heute eine neue Glocke bestellt, muss sie deshalb oft auf ein Geläut abstimmen lassen, dessen Glocken aus ganz unterschiedlichen Epochen stammen.
(21) ……………
Den Auftrag aus Westfalen hat Lindner über einen Kollegen erhalten, der vor drei Jahren aufgegeben hat. Einen Nachfolger hatte dieser nicht gefunden. „Das Wissen steckt nicht in Büchern, sondern in den Händen“, sagt Lindner. „Wenn eine Gießerei schließt, geht etwas verloren, das man nicht einfach wieder lernen kann.“
(22) ……………
Ende Mai wird die neue Glocke in Westfalen geweiht. Lindner wird dabei sein, wie bei fast jeder Glocke, die seine Werkstatt verlässt. Er stellt sich dann gern etwas abseits und hört zu, wie sie zum ersten Mal über die Dächer klingt. „In diesem Moment gehört sie nicht mehr uns“, sagt er. „Aber ein bisschen von uns hängt da oben mit.“
aWas für Laien wie ein einziger Ton klingt, ist in Wahrheit ein Gemisch aus zahlreichen Teiltönen. Mit einem elektronischen Messgerät prüft Lindner, ob Schlagton, Unterton und die übrigen Teiltöne im gewünschten Verhältnis zueinander stehen. Gibt es Abweichungen, wird an der Innenseite der Glocke hauchdünn Metall abgedreht – eine Arbeit, bei der jeder Millimeter zählt, denn was einmal entfernt ist, lässt sich nicht mehr hinzufügen.
bUm die eigene Werkstatt macht er sich in dieser Hinsicht weniger Sorgen. Seine Tochter Clara, 27, hat nach einem Studium der Werkstofftechnik vor zwei Jahren im Betrieb angefangen. Sie arbeitet an einer Datenbank, in der die Klangprofile sämtlicher Glocken erfasst werden, die die Familie in den vergangenen hundert Jahren gegossen hat. Den Lehm aber, sagt sie, müsse auch sie mit den Händen kennenlernen – Daten allein machten noch keine Glocke.
cWas nach Nostalgie klingt, hat handfeste Gründe. Der Lehm wird mit Kälberhaaren und Pferdemist vermischt, damit er beim Trocknen nicht reißt und die Form später der enormen Hitze standhält. „Wir haben Kunststofffasern ausprobiert“, erzählt Lindner, „aber nichts hält so zuverlässig wie das, was schon mein Urgroßvater verwendet hat.“ Jede Schicht muss tagelang trocknen, bevor die nächste aufgetragen werden kann.
dDie Gemeinde hatte für die neue Glocke drei Jahre lang Spenden gesammelt. Ein Kirchenvorsteher erzählt, dass sogar Konfirmandinnen und Konfirmanden einen Teil ihres Taschengelds beigesteuert hätten. Auf der Flanke sollen deshalb neben der Jahreszahl und einem Bibelvers auch die Worte „Gestiftet von allen“ stehen.
eOb der Guss gelungen ist, weiß in diesem Moment allerdings noch niemand. Die Glocke muss in der Erde langsam abkühlen; bei einer Glocke dieser Größe dauert das gut zwei Wochen. Holt man sie zu früh heraus, können Spannungen im Metall entstehen, die sie später zerspringen lassen. „Das ist die schwierigste Zeit“, gibt Lindner zu. „Man hat alles getan, was man tun konnte, und kann trotzdem nur warten.“
fSolche Aufträge sind selten geworden. In den Jahrzehnten nach dem Krieg, als zahllose Kirchen ihre verlorenen Glocken ersetzten, hatten die Gießereien mehr Arbeit, als sie bewältigen konnten. Heute werden in Deutschland eher Kirchen geschlossen als neu gebaut, und von den einst zahlreichen Betrieben sind nur noch wenige übrig. Lindner gießt deshalb längst auch Kunstobjekte, Gedenktafeln und Glocken für Rathäuser oder Schiffe.
gDer Guss selbst dauert dann nur wenige Minuten. Traditionell findet er an einem Freitag um 15 Uhr statt, zur Todesstunde Christi – ein Brauch, an dem Lindner bis heute festhält. An diesem Freitag sind auch der Pfarrer und eine Handvoll Gemeindemitglieder aus Westfalen angereist. Sie stehen dicht gedrängt am Rand der Grube, als der Ofen geöffnet wird.
17 Lücke 17
18 Lücke 18
19 Lücke 19
20 Lücke 20
21 Lücke 21
22 Lücke 22
Teil 4
Anzeigen · selektives Lesen
Arbeitszeit: 10 Minuten · Aufgaben 23–30 (8)
Verschaffen Sie sich schnell einen Überblick über die vier Angebote. Zu welcher Anzeige a, b, c, d passen die Aussagen (23–30)? Auf eine Anzeige können mehrere Aussagen zutreffen, aber es gibt nur eine richtige Lösung für jede Aussage.
Dört ilana hızla göz atın. 23–30 arasındaki ifadeler hangi ilana (a, b, c, d) uyar? Bir ilana birden çok ifade uyabilir, ama her ifadenin yalnız bir doğru cevabı vardır.
Sie arbeiten freiberuflich im Kultur- und Medienbereich und suchen für das kommende Jahr ein Stipendium oder einen Arbeitsaufenthalt.
aÜbersetzerhaus am See – ArbeitsstipendienDas Übersetzerhaus am See bietet literarischen Übersetzerinnen und Übersetzern aus dem Deutschen in alle Sprachen die Möglichkeit, in ruhiger Umgebung an einem laufenden Buchprojekt zu arbeiten. Wir vergeben jährlich zwölf Aufenthaltsstipendien von vier bis zwölf Wochen. Seit der Gründung vor über dreißig Jahren haben Gäste aus mehr als fünfzig Ländern bei uns gearbeitet. Das Haus liegt wenige Gehminuten vom Ufer entfernt und verfügt über einen Garten, eine Gemeinschaftsküche und einen Seminarraum.
Leistungen: Einzelapartment mit Arbeitsplatz, Zugang zu unserer Fachbibliothek mit über 20 000 Wörterbüchern und Nachschlagewerken, monatliches Stipendium von 1 400 Euro. Besuch kann für einige Tage im Gästezimmer untergebracht werden; ein dauerhaftes Mitwohnen ist leider nicht möglich.
Voraussetzungen: mindestens eine veröffentlichte literarische Übersetzung; ein Verlagsvertrag für das Projekt, an dem Sie bei uns arbeiten; Anwesenheit im Haus während mindestens drei Vierteln der Förderdauer.
Zum Abschluss Ihres Aufenthalts laden wir zu einem öffentlichen Werkstattgespräch ein, in dem Sie Ihr Projekt und Ihre Arbeitsweise vorstellen.
Bitte senden Sie uns ein Motivationsschreiben, eine Liste Ihrer bisherigen Übersetzungen, eine Kopie des Vertrags sowie eine Probeübersetzung von etwa zehn Seiten. Über die Vergabe entscheidet eine unabhängige Fachjury; Sie erhalten spätestens Ende März Bescheid.
Bewerbungsschluss: 15. Januar.
bStiftung Grenzgang – RecherchestipendienGründliche Recherche kostet Zeit – und Zeit ist für freie Journalistinnen und Journalisten oft das knappste Gut. Die Stiftung Grenzgang fördert deshalb Rechercheprojekte zu gesellschaftlichen und ökologischen Themen in Mittel- und Osteuropa.
Bewerben können sich Journalistinnen und Journalisten bis 35 Jahre, die seit mindestens zwei Jahren hauptberuflich journalistisch tätig sind. Die Förderung beträgt je nach Umfang der Recherche bis zu 6 000 Euro und wird in zwei Raten ausgezahlt. Reise-, Übersetzungs- und Dolmetscherkosten können in den Kostenplan aufgenommen werden; ein Honorar für die eigene Arbeitszeit ist dagegen nicht förderfähig.
Ihre Bewerbung sollte ein Exposé von höchstens drei Seiten, einen Zeit- und Kostenplan, einen Lebenslauf sowie zwei Arbeitsproben enthalten.
Wo und wie Sie recherchieren, entscheiden Sie selbst; Präsenzzeiten oder Arbeitsplätze in unseren Räumen sind nicht vorgesehen. Die Interessenbekundung einer Redaktion ist von Vorteil, aber keine Voraussetzung.
Nach Abschluss des Projekts senden Sie uns einen kurzen Bericht über den Verlauf Ihrer Recherche. Auf Wunsch vermitteln wir Kontakte zu Redaktionen und Übersetzern in den Zielländern.
Bewerbungen sind laufend möglich; über die Vergabe entscheidet eine Jury viermal im Jahr.
cForschungskolleg „Wissen und Öffentlichkeit“, WienDas Forschungskolleg „Wissen und Öffentlichkeit“ vergibt für das kommende akademische Jahr sechs Fellowships an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit der Vermittlung von Forschung in Medien, Museen oder Politik beschäftigen. Erwünscht sind ausdrücklich auch Bewerbungen von Personen mit Erfahrung im Wissenschaftsjournalismus.
Voraussetzung ist eine abgeschlossene Promotion, die nicht länger als zehn Jahre zurückliegt. Die Fellowships laufen über zehn Monate und setzen voraus, dass Sie Ihren Lebensmittelpunkt in dieser Zeit nach Wien verlegen.
Das Kolleg arbeitet eng mit Museen, Rundfunkanstalten und Ministerien zusammen. Neben einem eigenen Büro erhalten Sie Zugang zu sämtlichen Bibliotheken der Universität sowie ein Budget für Tagungsreisen. Die monatliche Vergütung richtet sich nach der Zahl der Berufsjahre seit der Promotion. Für Geförderte mit Familie stehen möblierte Wohnungen zur Verfügung; bei der Suche nach Kinderbetreuungs- und Schulplätzen sind wir Ihnen gern behilflich.
Alle Geförderten nehmen an unserem wöchentlichen internen Kolloquium teil und präsentieren dort im Laufe des Jahres ihr Vorhaben.
Einzureichen sind ein Projektentwurf von höchstens fünf Seiten, ein Lebenslauf mit Publikationsverzeichnis und zwei Gutachten.
Bewerbungsschluss: 31. Oktober.
dSchreib- und Atelierhaus KranichsfeldeMitten in der Uckermark, zwischen Seen und Kranichwiesen, liegt unser ehemaliges Pfarrhaus. Der Förderverein Kranichsfelde lädt Kulturschaffende aller Sparten – Schreibende, bildende Künstlerinnen und Künstler, Musikerinnen und Musiker – zu einem dreimonatigen Arbeitsaufenthalt ein.
Bewerben können sich alle, die ein eigenes künstlerisches Vorhaben verfolgen, unabhängig von Alter und Werdegang; eine abgeschlossene künstlerische Ausbildung ist nicht erforderlich.
Wohnung und Atelier stehen kostenfrei zur Verfügung, ein Stipendium wird jedoch nicht gezahlt. Das Haus verfügt über ein großes Atelier mit Nordlicht, ein Arbeitszimmer mit Blick auf den See und einen Garten. Es ist für eine Person eingerichtet; Haustiere sind nach Absprache willkommen. Der nächste Bahnhof liegt zwölf Kilometer entfernt, ein eigenes Auto ist daher von Vorteil.
Als Gegenleistung gestalten Sie während Ihres Aufenthalts an mindestens vier Nachmittagen gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der örtlichen Grundschule eine Werkstatt zu Ihrem Fachgebiet.
Der Aufenthalt kann im Frühjahr, im Sommer oder im Herbst beginnen. Bewerbungen mit einer kurzen Projektskizze und einigen Arbeitsbeispielen bitte bis Ende Februar an den Förderverein; ein persönliches Kennenlernen vor Ort ist erwünscht, aber nicht Bedingung.
Beispiel
0 Sie müssen Kinder an Ihrer Arbeit teilhaben lassen.
23 Ihr Vorhaben muss bereits von einem Verlag angenommen worden sein.
24 Die Höhe der Förderung hängt von Ihrer Berufserfahrung ab.
25 Sie sind an keinen bestimmten Arbeitsort gebunden.
26 Ihre Familie kann für die gesamte Förderdauer mit Ihnen am Aufenthaltsort wohnen.
27 Sie bekommen kein Geld, aber eine kostenlose Unterkunft.
28 Für die Bewerbung gilt eine Altersgrenze.
29 Zum Schluss präsentieren Sie Ihre Arbeit vor Publikum.
30 Weder Ihr Lebensalter noch formale Qualifikationen spielen für die Bewerbung eine Rolle.
—
Görev düzeni Goethe-Institut’un resmî Goethe-Zertifikat C2: Großes Deutsches Sprachdiplom Modellsatz’ına göre kurulmuştur; metinler ve sorular almancaeskisehir.com’a aittir, metinlerdeki kişi, kurum ve yerler kurgusaldır. Bu sayfa Goethe-Institut ile bağlantılı değildir.