C2 Dinleme Sınavı (Hören)Goethe-Zertifikat C2: GDS · Modul Hören — resmî Modellsatz düzeninde tam deneme
Gerçek sınavdaki üç bölümün tamamı: beş radyo kesiti, iki kişilik bir tartışma ve uzun bir uzman röportajı. 30 madde, yaklaşık 35 dakika. Kayıtlar resmî sınavdaki kadar çalınır; bitirince puanınızı Goethe'nin ağırlıklı ölçeğinde (100 üzerinden) ve her maddenin kayıttaki kanıtını görürsünüz.
Ausschnitte aus Radiosendungen
Sie hören fünf Ausschnitte aus Radiosendungen zu verschiedenen Themen. Zu jedem Ausschnitt gibt es drei Aufgaben. Entscheiden Sie, ob die Aussagen mit dem Textinhalt übereinstimmen oder nicht. Wählen Sie Ja oder Nein. Sie hören die Texte einmal.
Farklı konulardaki radyo yayınlarından beş kesit dinleyeceksiniz; her kesite üç madde düşer. İfade kayıttaki içerikle örtüşüyor mu (Ja), örtüşmüyor mu (Nein)? Her kesit yalnız bir kez çalınır.
0 Beim Kauf eines neuen Telefons wird ein Aufschlag fällig, den man später zurückbekommen kann.
Text 1 — Sie hören einen Ausschnitt aus einem Bericht über die Rücknahme alter Mobiltelefone.
📄 Transkript
Ausgediente Mobiltelefone verstauben in vielen Haushalten jahrelang in irgendeiner Schublade – und mit ihnen Gold, Kupfer und andere seltene Metalle, deren Abbau ganze Landstriche verwüstet. Ein junges Unternehmen aus Leipzig will das ändern. Wer bei einem der Partnerhändler ein neues Gerät kauft, zahlt zunächst zwanzig Euro mehr; bringt er sein altes Telefon später zurück, bekommt er den Betrag in voller Höhe erstattet. Das Pfand, so die Gründerin, sei bewusst niedrig angesetzt: Es solle niemanden vom Kauf abschrecken, aber doch einen kleinen Anstoß geben, die Schublade irgendwann aufzuräumen. Was mit den zurückgegebenen Geräten geschieht, hängt von ihrem Zustand ab. Telefone, die noch funktionieren, werden gelöscht, aufbereitet und mit Garantie weiterverkauft – und zwar überwiegend hierzulande, nicht, wie oft vermutet wird, in Schwellenländern. Nur was sich nicht mehr retten lässt, geht an einen spezialisierten Verwertungsbetrieb, der die Rohstoffe zurückgewinnt. Kritik kommt ausgerechnet von Umweltverbänden. Sie begrüßen das Pfand zwar im Grundsatz, halten es aber für eine reine Symptombehandlung. Solange Hersteller Akkus fest verkleben und ihre Geräte nach wenigen Jahren nicht mehr mit Updates versorgen, werde man das eigentliche Problem nicht in den Griff bekommen. Ein Verbandssprecher brachte es auf den Punkt: Das umweltfreundlichste Handy sei immer noch dasjenige, das man gar nicht erst ersetzen müsse.
1 Das Pfand wurde so bemessen, dass es Kunden nicht vom Kauf abhält.
2 Funktionsfähige Altgeräte werden vor allem ins Ausland weiterverkauft.
3 Nach Auffassung der Umweltverbände setzt das Pfand nicht an den Ursachen des Problems an.
Text 2 — Sie hören einen Ausschnitt aus einem Radiobericht über leer stehende Geschäfte in den Innenstädten.
📄 Transkript
In vielen mittelgroßen Städten bietet sich inzwischen dasselbe Bild: Wo früher ein Kaufhaus die Fußgängerzone prägte, kleben heute Folien an den Schaufenstern. Lange galt der Onlinehandel als alleiniger Schuldiger. Eine Untersuchung mehrerer Stadtplanungsbüros zeichnet nun ein differenzierteres Bild. Mindestens ebenso schwer wiegen demnach die hohen Mieten, die viele Eigentümer selbst dann noch verlangen, wenn eine Fläche seit Jahren leer steht. Der Grund: Würden sie die Miete senken, verlöre ihre Immobilie in den Büchern an Wert. Einige Kommunen gehen deshalb neue Wege. Eine Kleinstadt im Sauerland hat ein ehemaliges Kaufhaus kurzerhand selbst angemietet und vergibt die Flächen für jeweils ein Jahr zu symbolischen Preisen an Handwerksbetriebe, Kulturvereine und junge Firmen. Wer sich bewährt, kann anschließend einen regulären Vertrag abschließen. Etwa zwei Drittel der Zwischenmieter hätten diesen Schritt bislang gewagt, heißt es aus dem Rathaus. Die Planer warnen allerdings vor überzogenen Erwartungen. Die Innenstadt der Zukunft werde kleinteiliger und weniger auf den Konsum ausgerichtet sein. Wer darauf hoffe, die großen Warenhäuser in ihrer früheren Form zurückzubekommen, werde enttäuscht.
4 Die Untersuchung bestätigt, dass der Leerstand in erster Linie auf den Internethandel zurückgeht.
5 Manche Eigentümer halten an hohen Mieten fest, um eine Abwertung ihres Besitzes zu vermeiden.
6 Die Mehrheit der Zwischenmieter bleibt nach dem ersten Jahr zu üblichen Konditionen.
Text 3 — Sie hören einen Teil einer Radiosendung, in der zwei Bücher vorgestellt werden.
📄 Transkript
Das Gehen ist uns so selbstverständlich, dass wir kaum je darüber nachdenken. Gleich zwei Neuerscheinungen dieses Frühjahrs wollen das ändern. Die Wiener Philosophin Clara Imhof nähert sich dem Thema in ihrem Essay „Schritt für Schritt“ auf gut hundertfünfzig Seiten. Sie fragt, warum so viele Denkerinnen und Denker ihre besten Einfälle ausgerechnet beim Spazierengehen hatten, und kommt zu einem überraschend nüchternen Befund: Nicht die Landschaft, nicht das Grün ringsum sei es, was die Gedanken ordne, sondern der gleichmäßige Takt des eigenen Körpers. Imhofs Sprache ist dicht, mitunter auch recht verschachtelt. Wer sich darauf einlässt, wird allerdings reich belohnt. Ganz anders das Buch des Hamburger Verkehrsplaners Jens Lohmann. Auf fast vierhundert Seiten zeichnet er nach, wie unsere Städte im Laufe des letzten Jahrhunderts für Fußgänger immer unwirtlicher geworden sind – mit schmalen Gehwegen, endlosen Ampelphasen und Unterführungen, die niemand freiwillig betritt. Lohmann belässt es jedoch nicht bei der Klage. Den weitaus größeren Teil seines Buches widmet er Städten in ganz Europa, die den Straßenraum Stück für Stück zurückerobert haben. Dass er dabei bisweilen in den Fachjargon seiner Zunft verfällt, mag man ihm nachsehen.
7 Clara Imhof führt die geistige Anregung beim Spazierengehen vor allem auf die Natur zurück.
8 Die Moderatorin hält Imhofs Essay trotz seines anspruchsvollen Stils für lesenswert.
9 In Lohmanns Buch nehmen gelungene Gegenbeispiele mehr Raum ein als die Kritik an der Stadtplanung.
Text 4 — Sie hören einen Ausschnitt aus Wirtschaftsmeldungen im Radio.
📄 Transkript
Waschmaschine, Fahrrad, Sofa: Immer mehr Menschen in Deutschland zahlen für Dinge des täglichen Bedarfs eine monatliche Gebühr, statt sie zu kaufen. Das geht aus einer repräsentativen Befragung hervor, die ein Marktforschungsinstitut im Auftrag einer Verbraucherorganisation durchgeführt hat. Knapp ein Fünftel der Befragten nutzt demnach bereits mindestens ein solches Mietmodell, bei den unter Dreißigjährigen ist es sogar jeder Dritte. Als wichtigsten Grund nennen die Nutzer nicht etwa den Preis, sondern die Flexibilität. Wer häufig umzieht oder noch nicht weiß, wie lange er in einer Stadt bleibt, will sich nicht mit schweren Möbeln belasten. Erst an zweiter Stelle folgt das Argument, dass Reparaturen im Mietpreis enthalten sind. Verbraucherschützer mahnen dennoch zur Vorsicht. Über eine längere Laufzeit gerechnet zahle man häufig deutlich mehr als beim Kauf, zumal viele Verträge Mindestlaufzeiten von einem Jahr und mehr vorsähen. Auch seien die Bedingungen für den Fall einer Beschädigung oft unklar formuliert. Die Anbieter wiederum verweisen darauf, dass zurückgegebene Geräte aufbereitet und erneut vermietet würden, was Ressourcen schone. Ob diese Rechnung tatsächlich aufgeht, lässt sich allerdings noch nicht beurteilen: Belastbare Zahlen dazu gibt es bislang nicht.
10 Unter jüngeren Menschen sind Mietmodelle stärker verbreitet als im Bevölkerungsdurchschnitt.
11 Die meisten Nutzer entscheiden sich für das Mieten, weil sie dadurch Geld sparen.
12 Dass Mietmodelle die Umwelt entlasten, ist inzwischen nachgewiesen.
Text 5 — Sie hören einen Ausschnitt aus einer Sendereihe über seltene Handwerksberufe: Orgelbauer.
📄 Transkript
Sprecherin: Orgeln gelten vielen als verstaubte Relikte, die nur noch sonntags in halb leeren Kirchen erklingen. Umso erstaunlicher, dass die wenigen Werkstätten, die heute noch neue Instrumente bauen, von vollen Auftragsbüchern berichten – mit Bestellungen vor allem aus dem Ausland, etwa für Konzertsäle in Asien. Im Orgelbau stecken Tischler, Metallhandwerker und Akustiker in einer Person. Reto Brunner führt eine solche Werkstatt am Zürichsee. Herr Brunner, wie lange dauert es eigentlich, bis eine neue Orgel fertig ist? Reto Brunner: Das hängt natürlich von der Größe ab. Bei einem mittleren Instrument rechnen wir mit zwei, drei Jahren. Ein beträchtlicher Teil der Arbeit findet aber gar nicht bei uns in der Werkstatt statt, sondern vor Ort. Jeder Raum klingt anders, und die Orgel muss sozusagen in ihren Raum hineinwachsen. Das Intonieren, also das Abstimmen jeder einzelnen Pfeife auf die Akustik des Saales, kann allein schon Monate dauern. Sprecherin: Und was reizt Sie an diesem Beruf, Herr Brunner? Reto Brunner: Ehrlich gesagt nicht in erster Linie die Musik. Ich spiele selbst ziemlich miserabel, das gebe ich offen zu. Mich fasziniert, dass ich etwas baue, das mich um Jahrhunderte überleben wird. Wenn wir heute eine alte Orgel restaurieren, erkennen wir in jedem Detail die Handschrift von Kollegen, die vor dreihundert Jahren gelebt haben. Und irgendwann wird jemand meine Arbeit genauso aufschrauben und sich vielleicht über mich wundern.
13 Die Sprecherin stellt fest, dass sich das verbreitete Bild der Orgel in der Auftragslage der Werkstätten widerspiegelt.
14 Ein Teil der Arbeit muss in dem Gebäude erfolgen, für das die Orgel bestimmt ist.
15 Herrn Brunner reizt an seinem Beruf vor allem die Nähe zur Musik.
Gespräch
Zwei Lehramtsstudierende, Nele und Henrik, unterhalten sich über das Schreiben mit der Hand. Entscheiden Sie, ob die Meinungsäußerung nur von einem Sprecher stammt oder ob beide Sprecher in ihrer Meinung übereinstimmen. Es gibt nur eine richtige Lösung. Sie hören das Gespräch einmal.
İki öğretmen adayı, Nele ve Henrik, elle yazma üzerine konuşuyor. Her görüşü yalnız biri mi dile getiriyor (Person 1 = Nele, Person 2 = Henrik), yoksa ikisi de mi paylaşıyor (beide)? Konuşma bir kez çalınır.
0 Im Seminar kamen vermittelnde Positionen kaum zu Wort.
Gespräch über das Schreiben mit der Hand (Person 1: Nele · Person 2: Henrik)
📄 Transkript
Nele: Sag mal, Henrik, hast du nach dem Seminar heute auch so einen Kopf gehabt? Ich fand, da haben alle ziemlich aneinander vorbeigeredet. Henrik: Oh ja, total. Die eine Hälfte tut so, als ginge mit der Schreibschrift das Abendland unter, und die andere Hälfte würde am liebsten ab der ersten Klasse nur noch Bildschirme verteilen. Und dazwischen – gar nichts. Nele: Genau das meine ich. Dabei ist die Frage eigentlich spannend. Also, ich merke das ja an mir selbst: Wenn ich in der Vorlesung mitschreibe, also richtig mit dem Stift, dann bleibt viel mehr hängen, als wenn ich tippe. Henrik: Ja, aber ist das nicht einfach Gewohnheit? Du hast halt dein ganzes Schulleben lang mit der Hand mitgeschrieben. Nele: Nee, glaub’ ich nicht. Beim Tippen schreibe ich fast wörtlich mit, was vorne gesagt wird. Mit der Hand bin ich dafür viel zu langsam, da muss ich auswählen, zusammenfassen, in eigene Worte bringen – und genau dabei denke ich doch nach. Henrik: Hm, ich weiß nicht. Das klingt mir ein bisschen nach dem, was man gern glauben möchte. Ich tippe jedenfalls lieber. Meine eigene Klaue kann ich nach zwei Wochen nämlich selbst nicht mehr lesen. Aber worauf ich eigentlich hinauswollte: diese verbundene Schreibschrift, die die Kinder in der zweiten Klasse lernen – wozu soll die heute noch gut sein? Druckbuchstaben reichen doch völlig. Das ist für mich ein Relikt, ehrlich gesagt. Nele: Moment, Moment. Da machst du es dir aber zu leicht. Die Kinder lernen dabei ja nicht nur Buchstaben, sondern flüssige Bewegungsabläufe. Feinmotorik, Rhythmus, das ganze Zeug. Henrik: Das lernen sie beim Basteln auch. Oder beim Klavierspielen. Nele: Ach komm, nicht jedes Kind hat ein Klavier zu Hause. Henrik: Okay, Punkt für dich. Trotzdem: Ich hab im Praktikum Kinder erlebt, die mit der Schreibschrift richtig gekämpft haben. Die lernen erst eine Druckschrift, dann eine zweite Schrift, und am Ende schreiben sie sowieso irgendeine Mischform. Das ist doppelte Arbeit für nichts. Nele: Na ja. Das liegt vielleicht auch daran, wie man es unterrichtet. Henrik: Kann sein. Aber was mir viel mehr fehlt, ist etwas ganz anderes. Kein Mensch bringt den Kindern bei, vernünftig zu tippen. Die tippen alle mit zwei Fingern auf dem Handy herum, und in der Oberstufe sollen sie dann plötzlich Facharbeiten am Rechner schreiben. Nele: Ja! Da hast du völlig recht, das hab ich mir auch schon oft gedacht. Das Zehnfingersystem müsste eigentlich Pflicht sein, spätestens ab der fünften Klasse. Das ist genauso eine Kulturtechnik wie das Schreiben mit der Hand. Ich finde nur, das eine schließt das andere nicht aus. Henrik: Klar. Fordere ich ja auch gar nicht. Nele: Doch, irgendwie schon. Du willst die Schreibschrift abschaffen. Henrik: Ich will sie nicht abschaffen, ich will sie nur nicht mehr verpflichtend machen. Das ist ein Unterschied. Nele: Na gut. Weißt du, was mich an der ganzen Diskussion außerdem stört? Es wird immer nur über Effizienz geredet. Was geht schneller, was ist besser lesbar? Eine Handschrift ist doch auch etwas Persönliches. Wenn ich von meiner Oma eine Karte bekomme, erkenne ich sie schon am Umschlag. Das ist ein Stück von ihr. Henrik: Ach, Nele, das ist mir jetzt ein bisschen zu romantisch. Ob die Karte gedruckt ist oder geschrieben – die Worte sind doch dieselben. Und deswegen muss nicht jedes Kind ein halbes Jahr lang Schleifen üben. Nele: Das hab ich auch nicht gesagt. Ich sage nur, dass da etwas verloren geht, was man nicht in Minuten messen kann. Henrik: Mag sein. Aber dann reden wir über Gefühle und nicht über Didaktik. Nele: Als ob Gefühle in der Schule keine Rolle spielen würden. Henrik: Na schön. Ganz anderes Thema, aber es passt dazu: Hast du mitbekommen, dass bei uns die Juristen ihre Klausuren jetzt am Rechner schreiben dürfen? Nele: Ja, hab ich gehört. Henrik: Finde ich richtig. Wer schreibt denn im Berufsleben noch fünf Stunden am Stück mit der Hand? Eine Prüfung sollte doch zeigen, was man später können muss. Wenn's nach mir ginge, würde man das an der ganzen Uni so machen. Nele: Also, ich weiß nicht, Henrik. Da hängt doch ein Rattenschwanz dran. Wer stellt die Geräte? Was ist, wenn mittendrin der Akku streikt oder das Netz ausfällt? Und wer kontrolliert, dass da niemand nebenbei etwas nachschlägt? Solange das nicht geklärt ist, bleibe ich lieber beim Papier. Henrik: Das sind doch alles technische Fragen. Die lassen sich lösen. Nele: Kann sein. Aber bis dahin bin ich mit meinem Studium fertig. Henrik: Da hast du allerdings recht.
16 Wer von Hand mitschreibt, verarbeitet den Stoff gründlicher.
17 Auf die verbundene Schreibschrift könnte man in der Grundschule verzichten.
18 Das Tippen mit allen zehn Fingern wird in der Schule vernachlässigt.
19 Der Wert einer Handschrift lässt sich nicht auf ihre Zweckmäßigkeit reduzieren.
20 Prüfungen an der Universität sollten generell am Computer geschrieben werden dürfen.
Interview
Sie hören ein Interview mit dem Akustiker Matthias Reinhold. Wählen Sie bei den Aufgaben 21–30 die richtige Lösung a, b oder c. Es gibt nur eine richtige Lösung. Sie hören das Gespräch zweimal.
Akustik uzmanı Matthias Reinhold'la yapılmış bir röportaj dinleyeceksiniz. 21–30 arasındaki her maddede doğru seçeneği (a, b ya da c) işaretleyin; tek doğru vardır. Röportaj iki kez çalınır.
0 Eingangs weist die Moderatorin darauf hin, dass …
Interview mit dem Akustiker Matthias Reinhold
📄 Transkript
Moderatorin: Wer an einer Hauptverkehrsstraße wohnt, sagt oft, er höre den Verkehr eigentlich gar nicht mehr. Ob das stimmt, darüber spreche ich heute mit Matthias Reinhold. Er leitet an einer technischen Universität eine Arbeitsgruppe, die untersucht, wie Lärm auf Menschen wirkt. Herr Reinhold, kann man sich an Lärm gewöhnen? Matthias Reinhold: Bewusst nehmen viele ihn tatsächlich nicht mehr wahr, das stimmt. Aber der Körper gewöhnt sich nicht. Wir sehen im Schlaflabor immer wieder, dass auch Menschen, die felsenfest behaupten, sie schliefen tief und fest, auf jeden vorbeifahrenden Lastwagen reagieren. Der Puls steigt, Stresshormone werden ausgeschüttet. Sie wachen dabei nicht auf, sie erinnern sich am nächsten Morgen an nichts – aber ihr Herz-Kreislauf-System hat die ganze Nacht über gearbeitet. Moderatorin: Ist es denn vor allem die Lautstärke, die uns zu schaffen macht? Matthias Reinhold: Die Lautstärke ist nur ein Teil. Mindestens ebenso wichtig ist, ob ein Geräusch vorhersehbar ist und ob man es beeinflussen kann. Ein gleichmäßiges Rauschen, etwa von einer entfernten Autobahn, stört viele Menschen weniger als ein unregelmäßiges Hämmern, das objektiv leiser ist. Und den Rasenmäher des Nachbarn empfinden wir als viel lästiger als unseren eigenen, obwohl er genauso laut ist. Dieses Gefühl, einer Sache ausgeliefert zu sein, ist ein enormer Stressfaktor. Moderatorin: Viele flüchten sich ja inzwischen in Kopfhörer, die die Umgebungsgeräusche unterdrücken. Matthias Reinhold: Im Zug oder im Flugzeug ist das eine feine Sache, keine Frage. Als Dauerlösung halte ich wenig davon. Man schottet sich ab, man überhört im Straßenverkehr das Fahrrad, das von hinten kommt. Und man gewöhnt sich daran, das Problem bei sich selbst zu lösen, statt es dort anzugehen, wo es entsteht. Moderatorin: Und dort, wo es entsteht, versuchen viele Städte ja gegenzusteuern: mit Schallschutzwänden, mit lärmminderndem Asphalt, mit Tempo dreißig. Was bringt das? Matthias Reinhold: Einiges. Tempo dreißig zum Beispiel wird in seiner Wirkung oft unterschätzt. Der Unterschied in Dezibel klingt auf dem Papier bescheiden, aber unser Ohr nimmt ihn sehr deutlich wahr. Und vor allem werden die Spitzen seltener, also das Aufheulen beim Anfahren, das scharfe Bremsen. Schallschutzwände dagegen sehe ich zwiespältig. Sie helfen den Menschen, die direkt dahinter wohnen. Aber sie zerschneiden ganze Stadtteile, und wenige hundert Meter weiter ist ihre Wirkung verpufft. Da verschiebt man das Problem eher, als dass man es löst. Moderatorin: Verpufft heißt: Sie bringen gar nichts? Matthias Reinhold: Nein, so weit würde ich nicht gehen. Für die erste Häuserreihe sind sie ein echter Gewinn. Aber man muss sich klarmachen, dass man mit sehr viel Geld eine sehr kleine Zone schützt. Moderatorin: Sie beschäftigen sich in Ihrer Forschung inzwischen weniger mit Lärm als mit etwas, das Sie Klanglandschaft nennen. Was ist damit gemeint? Matthias Reinhold: Jahrzehntelang hat die Lärmforschung im Grunde nur eine Frage gestellt: Wie kriegen wir es leiser? Das ist wichtig, ohne Zweifel. Aber Stille allein ist noch keine Qualität. Ein vollkommen stiller Platz wirkt auf viele Menschen sogar unheimlich. Wir fragen deshalb: Welche Geräusche wollen wir in einer Stadt eigentlich hören? Das Plätschern von Wasser, Vogelstimmen, Menschen, die sich unterhalten – solche Geräusche werden fast durchweg als angenehm empfunden, auch wenn sie gar nicht so leise sind. Moderatorin: Das klingt ehrlich gesagt ein bisschen nach Kosmetik. Ein Brunnen gegen eine sechsspurige Straße? Matthias Reinhold: Den Vorwurf höre ich öfter, und ich verstehe ihn. Natürlich ersetzt ein Brunnen keine Verkehrspolitik. Aber in unseren Befragungen beurteilen Menschen einen Platz mit Brunnen als ruhiger, obwohl der Messwert dort sogar etwas höher liegt. Wahrnehmung ist eben nicht dasselbe wie Physik. Und wenn sich Menschen auf einem Platz wohler fühlen, bleiben sie länger, sie erholen sich. Das ist ein Effekt, den wir messen können. Moderatorin: Wer ist denn am stärksten von Lärm betroffen? Matthias Reinhold: Das ist der Punkt, der mich ehrlich gesagt am meisten umtreibt. Lärm ist sozial ungleich verteilt. An den großen Durchgangsstraßen sind die Mieten niedrig, und dort wohnen Menschen, die sich etwas anderes schlicht nicht leisten können. Wer Geld hat, zieht ins Grüne – und fährt dann morgens mit dem Auto durch genau diese Straßen in die Stadt. Die einen verursachen den Lärm, die anderen tragen ihn. Dass das in der öffentlichen Debatte so selten ausgesprochen wird, finde ich bemerkenswert. Moderatorin: Was müsste die Politik daraus lernen? Matthias Reinhold: Zunächst einmal, genauer hinzuschauen, wohin das Geld fließt. Lärmschutz wird bislang häufig dort umgesetzt, wo sich die Anwohner am lautesten beschweren – und das sind selten diejenigen, die am stärksten betroffen sind. Wer im Schichtdienst arbeitet und abends erschöpft nach Hause kommt, schreibt keine Eingaben an den Stadtrat. Wir schlagen deshalb vor, Lärmkarten mit Daten über die Bewohner der Viertel zu verknüpfen, damit die Mittel dort ankommen, wo sie am meisten bewirken. Moderatorin: Lassen Sie uns noch kurz über Innenräume sprechen. Großraumbüros, Kantinen, Klassenzimmer … Matthias Reinhold: Ein riesiges Feld, das völlig unterschätzt wird. Gerade in Schulen. Wir haben in Grundschulen gemessen, und in den Pausen herrscht dort ein Pegel wie an einer Hauptstraße. Das Problem ist aber gar nicht in erster Linie, dass Kinder laut sind. Das dürfen sie auch. Das Problem ist der Nachhall. In vielen älteren Gebäuden mit harten Wänden und hohen Decken wird jedes Geräusch zurückgeworfen. Die Kinder sprechen lauter, um sich zu verstehen, die anderen werden noch lauter, und so schaukelt sich das hoch. Mit schallschluckenden Decken, die vergleichsweise wenig kosten, lässt sich der Pegel spürbar senken. Die Lehrkräfte berichten danach, dass sie abends deutlich weniger erschöpft sind. Moderatorin: Zum Schluss: Was kann denn jeder Einzelne tun? Matthias Reinhold: Da bin ich, offen gesagt, etwas zurückhaltend. Ich halte wenig davon, das Problem auf den Einzelnen abzuwälzen. Natürlich kann man einen leiseren Rasenmäher kaufen oder nachts nicht die Waschmaschine laufen lassen. Aber Lärm ist in erster Linie eine Frage der Planung, und da werden die entscheidenden Weichen gestellt, nicht im Privathaushalt. Was ich mir wünsche: dass Akustik beim Bauen genauso selbstverständlich mitgedacht wird wie Licht oder Heizung – und zwar ganz am Anfang, nicht erst, wenn das Gebäude steht und sich die ersten Leute beschweren. Nachträglich wird es nämlich immer teuer. Moderatorin: Herr Reinhold, vielen Dank für das Gespräch. Matthias Reinhold: Ich danke Ihnen.
21 Nach M. Reinhold ist die Gewöhnung an Lärm …
22 Besonders belastend wirkt ein Geräusch laut M. Reinhold, wenn …
23 Wie beurteilt M. Reinhold Tempo 30?
24 An Schallschutzwänden kritisiert M. Reinhold, dass sie …
25 Der Ansatz der „Klanglandschaft“ unterscheidet sich von der herkömmlichen Lärmforschung dadurch, dass er …
26 Auf den Einwand der Moderatorin, das sei Kosmetik, reagiert M. Reinhold, indem er …
27 In der öffentlichen Diskussion vermisst M. Reinhold …
28 Den hohen Lärmpegel in Schulen führt M. Reinhold vor allem zurück auf …
29 Zur Rolle des Einzelnen meint M. Reinhold, dass …
30 M. Reinhold wünscht sich, dass Akustik beim Bauen …
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Görev düzeni, yönerge kalıbı ve puan ağırlıkları Goethe-Institut’un resmî Goethe-Zertifikat C2: GDS Modellsatz’ına (Vs14_260326) ve Durchführungsbestimmungen’ine göre kurulmuştur; kayıt metinleri, kişiler ve sorular almancaeskisehir.com’a aittir ve kurmacadır.
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