C1 Okuma Sınavı (Lesen)Goethe-Zertifikat C1 · Modul Lesen — resmî Modellsatz düzeninde tam deneme
Gerçek sınavdaki dört bölümün tamamı: boşluklu bir bilim haberi, uzun bir dergi makalesi, cümle yerleştirmeli bir gazete yorumu ve üç bilim insanının görüşleri. 30 madde, 65 dakika. Bitirince puanınızı Goethe ölçeğinde (100 üzerinden) ve her maddenin gerekçesini görürsünüz.
Modül
Lesen · Okuma
Bölüm
4 Teil · 30 Aufgaben
Süre
65 dakika
Puan
100 · eşik 60
Nasıl çalışır? Gerçek sınavdaki gibi önce yönergeyi, sonra metni okuyun. Teil 1 ve Teil 3’te boşluklar metinde numaralıdır; her boşluğun cevabını metnin altındaki aynı numaralı maddeden seçin. Teil 3’te cümleler (a–j) metnin altındaki listededir; iki cümle hiçbir boşluğa uymaz. Teil 1, 3 ve 4’te 0 numaralı örnek çözülmüş olarak verilir (Teil 2’de resmî sınavda da örnek yoktur). Süreyi isterseniz başlatın; süre dolunca test kilitlenmez. Sonunda «Değerlendir»e basın.
Gerçek sınav süresi: 65 dakika. Süreyi kendiniz başlatın.
Teil 1
Artikel · Lückentext
Arbeitszeit: 10 Minuten · Aufgaben 1–8 (8)
Wählen Sie für jede Lücke die richtige Lösung.
Her boşluk (1–8) için doğru seçeneği (a, b, c ya da d) işaretleyin.
Sie lesen in einer Zeitschrift einen Artikel über ein Forschungsprojekt, an dem Laien mitwirken.
BürgerwissenschaftWie dunkel ist die Nacht noch?Immer mehr Forschungsprojekte setzen auf die Mithilfe von Laien. Eines davon stellen wir heute vor: „Nachtblick“.
Seit drei Jahren messen Freiwillige in Österreich, der Schweiz und Süddeutschland, wie hell der Himmel über ihrem Wohnort nachts tatsächlich ist. Das Projekt geht (0) …… zurück, dass es für viele Regionen schlicht keine verlässlichen Daten über künstliches Licht gab. Das Mitmachen ist denkbar einfach: Wer ein Smartphone besitzt, kann (1) …… einer kostenlosen App die Himmelshelligkeit bestimmen und den Wert an ein Forschungsteam in Salzburg übermitteln. Dort werden die Messungen mit Satellitenbildern abgeglichen. Wer regelmäßig misst, erhält zudem eine monatliche Auswertung für den eigenen Ort.
Gerade diese Kombination ist entscheidend. Satelliten registrieren vor allem Licht, das nach oben abgestrahlt wird; das bläuliche Licht moderner LED-Lampen können ihre Sensoren dagegen nur unzureichend (2) ……. (3) …… sind Messungen vom Boden aus unverzichtbar. Sie zeigen, dass die Nächte vielerorts heller werden, obwohl die Gemeinden auf sparsame Leuchten umgestellt haben. Die Erklärung ist ernüchternd: Weil die neuen Lampen kaum Strom verbrauchen, werden schlicht mehr davon aufgestellt. Hinzu kommen beleuchtete Werbetafeln und Schaufenster, die oft die ganze Nacht über eingeschaltet bleiben.
Die Ergebnisse (4) …… inzwischen nicht nur der Wissenschaft zugute. Mehrere Gemeinden haben ihre Beleuchtung angepasst und dimmen die Laternen, (5) …… nach Mitternacht der Verkehr nachlässt. Auch Naturschutzverbände greifen auf die Daten zurück, denn künstliches Licht (6) …… im Verdacht, zum Rückgang zahlreicher Insektenarten beizutragen. Besonders betroffen sind Nachtfalter, (7) …… Orientierungssinn durch helle Lichtquellen empfindlich gestört wird. Wo sie fehlen, werden in der Folge auch weniger Pflanzen bestäubt.
(8) …… soll das Messnetz auch auf Südtirol und Liechtenstein ausgeweitet werden; erste Schulen haben bereits zugesagt, mit ihren Klassen regelmäßig Daten zu liefern. Das Team hofft, auf diese Weise auch Jugendliche für Fragen des Umweltschutzes zu gewinnen.
Beispiel
0 Lücke (0)
1 Lücke (1)
2 Lücke (2)
3 Lücke (3)
4 Lücke (4)
5 Lücke (5)
6 Lücke (6)
7 Lücke (7)
8 Lücke (8)
Teil 2
Zeitschriftenartikel
Arbeitszeit: 20 Minuten · Aufgaben 9–15 (7)
Wählen Sie bei jeder Aufgabe die richtige Lösung.
Makaleyi ve 9–15 arasındaki soruları okuyun. Her soruda doğru seçeneği (a, b ya da c) işaretleyin.
Sie lesen im Internet einen Artikel über eine Studie zur Wirkung von Langeweile.
Wissen & Gesellschaft · Online-MagazinDie unterschätzte Kraft der LangeweileKaum ein Gefühl hat einen so schlechten Ruf wie die Langeweile. Wer sich langweilt, gilt schnell als antriebslos oder einfallslos, und wer andere langweilt, hat ohnehin verloren – im Gespräch ebenso wie im Hörsaal. Entsprechend groß ist der Aufwand, mit dem viele Menschen jeden Leerlauf vermeiden: Die Wartezeit an der Supermarktkasse wird mit Kurznachrichten überbrückt, die Zugfahrt mit Podcasts, der Abend mit Serien. Viele Erwachsene greifen bereits nach wenigen Sekunden Untätigkeit zum Smartphone, oft ohne es überhaupt zu bemerken. Eine Forschungsgruppe aus der Schweiz kommt nun allerdings zu dem Schluss, dass wir uns damit womöglich selbst um etwas Wertvolles bringen.
Für ihre Studie teilten die Psychologinnen und Psychologen rund 240 Erwachsene in drei Gruppen ein. Die erste Gruppe musste eine Viertelstunde lang Zahlenkolonnen aus einer alten Preisliste abschreiben – eine Aufgabe, die bewusst so eintönig wie möglich gestaltet war. Die zweite erledigte dieselbe Aufgabe, durfte nebenbei aber ihr Smartphone benutzen. Die dritte Gruppe sah in der gleichen Zeit einen unterhaltsamen Kurzfilm. Wie stark sie sich jeweils gelangweilt hatten, gaben alle Beteiligten danach auf einer Skala von eins bis zehn an. Anschließend sollten alle Teilnehmenden innerhalb von fünf Minuten möglichst viele Verwendungsmöglichkeiten für einen gewöhnlichen Ziegelstein nennen – ein gängiger Test für das sogenannte divergente Denken.
Das Ergebnis fiel deutlicher aus als erwartet. Wer sich ohne jede Ablenkung gelangweilt hatte, kam im Durchschnitt auf fast ein Drittel mehr Ideen als die Filmgruppe. Bemerkenswert war jedoch vor allem das Abschneiden der zweiten Gruppe: Wer während der monotonen Tätigkeit zum Handy greifen durfte, schnitt kaum besser ab als die Zuschauerinnen und Zuschauer des Films. „Offenbar kommt es nicht auf die langweilige Tätigkeit an sich an, sondern darauf, dass man den unangenehmen Zustand eine Weile aushält“, erklärt Studienleiterin Miriam Aebi. Erst wenn der Geist keine äußeren Reize mehr finde, beginne er, eigene Verknüpfungen herzustellen.
Völlig neu ist dieser Gedanke nicht. Schon frühere Untersuchungen hatten Hinweise darauf geliefert, dass Tagträumen die Fähigkeit fördert, Probleme zu lösen. Die Schweizer Studie gehört jedoch zu den ersten, die den Einfluss digitaler Ablenkung unmittelbar mit einbeziehen. Gerade darin sehen Fachleute ihren eigentlichen Wert: Die Langeweile sei keineswegs aus unserem Leben verschwunden, sie werde heute lediglich schneller unterbrochen als je zuvor.
Aebi warnt allerdings davor, die Ergebnisse vorschnell zu verallgemeinern. Zwischen einer kurzen, vorübergehenden Langeweile und einem Zustand, in dem sich Menschen über Wochen unterfordert und leer fühlen, bestehe ein grundlegender Unterschied. Chronische Langeweile, etwa in einem Beruf ohne jeden Gestaltungsspielraum, gehe nachweislich mit Stress, Gereiztheit und einem erhöhten Risiko für depressive Verstimmungen einher. „Wir preisen nicht die Langeweile als Lebensform, sondern die kurze Pause, in der einmal nichts passiert.“
Auch methodisch hat die Untersuchung Grenzen, wie der Kognitionsforscher Jan Wehrli aus Wien anmerkt. Gemessen worden sei ausschließlich die Menge der Einfälle, nicht deren Qualität. „Dass jemand zwanzig statt fünfzehn Verwendungen für einen Ziegelstein findet, macht ihn noch nicht zu einem kreativeren Menschen.“ Zudem stamme ein Großteil der Teilnehmenden aus dem studentischen Umfeld. Wehrli hält die Befunde dennoch für plausibel und wünscht sich Folgestudien, die Beschäftigte an ihrem Arbeitsplatz begleiten.
Welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen? Das Forschungsteam rät ausdrücklich nicht dazu, das Smartphone grundsätzlich zu verbannen. Sinnvoller sei es, im Alltag bewusst kleine Lücken zuzulassen – etwa den Weg zur Arbeit gelegentlich ohne Kopfhörer zurückzulegen oder im Wartezimmer einfach aus dem Fenster zu schauen. Schon wenige solcher Minuten am Tag könnten genügen, meint Aebi. Für Eltern und Lehrkräfte hat sie einen ähnlichen Rat: Kinder müssten nicht ununterbrochen beschäftigt werden. Wer sich langweile, lerne, sich selbst eine Aufgabe zu suchen – eine Fähigkeit, die später im Beruf ebenso gefragt sei wie im Privatleben.
Ob sich diese Empfehlungen durchsetzen, bleibt abzuwarten. Die Forschenden selbst wollen als Nächstes prüfen, ob sich der Effekt auch dann einstellt, wenn Menschen sich die Langeweile freiwillig verordnen – oder ob gerade der Zwang ein Teil der Wirkung ist.
9 Im ersten Abschnitt wird beschrieben, dass viele Menschen versuchen, …
10 Das Abschneiden der zweiten Gruppe deutet darauf hin, dass …
11 Worin sehen Fachleute den besonderen Wert der Studie?
12 Miriam Aebi schränkt die Ergebnisse ein, indem sie betont, dass …
13 Jan Wehrli bemängelt an der Untersuchung unter anderem, dass …
14 Das Forschungsteam empfiehlt, …
15 Als Nächstes wollen die Forschenden untersuchen, ob …
Teil 3
Kommentar · Sätze einsetzen
Arbeitszeit: 20 Minuten · Aufgaben 16–23 (8)
Welche Sätze passen in die Lücken? Zwei Sätze passen nicht.
Yorum yazısındaki 16–23 numaralı boşluklara a–j cümlelerinden hangisi uyar? Her cümle bir kez kullanılır; iki cümle hiçbir boşluğa uymaz.
Sie lesen in einer Tageszeitung einen Kommentar.
KommentarLeere Schaufenster – das Ende der Innenstadt?Wer in diesen Wochen durch die Fußgängerzonen mittelgroßer Städte schlendert, dem bietet sich ein vertrautes Bild: Zwischen den Filialen der immer gleichen Ketten reihen sich leere Ladenlokale, an deren Scheiben verblichene Plakate mit der Aufschrift „Zu vermieten“ kleben. (0) ……. Für viele ist der Schuldige schnell ausgemacht: der Onlinehandel. (16) ……. Tatsächlich hat der Niedergang zahlreicher Innenstädte schon lange vor dem Siegeszug der Paketdienste begonnen. Der Onlinehandel hat diese Entwicklung beschleunigt, ausgelöst hat er sie nicht.
In den Neunzigerjahren entstanden an den Stadträndern großflächige Einkaufszentren mit kostenlosen Parkplätzen und langen Öffnungszeiten. (17) ……. Gleichzeitig stiegen in den besten Innenstadtlagen die Mieten so stark, dass sich bald nur noch internationale Ketten die Flächen leisten konnten. Der inhabergeführte Buchladen, das Fachgeschäft für Haushaltswaren, die Metzgerei mit dem Mittagstisch – sie verschwanden eines nach dem anderen. (18) ……. Wer überall dieselben Geschäfte vorfindet, hat schließlich keinen Grund mehr, ausgerechnet in diese eine Stadt zu fahren. Die Innenstädte wurden austauschbar – und damit verzichtbar. In jüngerer Zeit kam ein weiterer Faktor hinzu: Seit der Pandemie arbeiten viele Beschäftigte an mehreren Tagen pro Woche von zu Hause aus und fehlen damit als Kundschaft in der Mittagspause. Cafés, Bäckereien und kleine Imbisse bekommen das besonders deutlich zu spüren.
Die Antwort vieler Kommunen bestand lange darin, den Handel mit Rabattwochen, verkaufsoffenen Sonntagen und neuen Parkhäusern zu stützen. (19) ……. Genau diese Annahme ist jedoch überholt. Befragungen zeigen, dass Besucherinnen und Besucher heute in erster Linie nach Aufenthaltsqualität suchen: nach Orten, an denen man sich treffen, verweilen und etwas erleben kann, ohne gleich etwas kaufen zu müssen. Schattige Plätze, Bänke ohne Verzehrzwang und saubere öffentliche Toiletten sind dafür oft wichtiger als ein weiteres Modegeschäft. Wer in der Stadt nichts anderes tun kann als einkaufen, bleibt eben zu Hause und bestellt.
Einige Städte haben daraus bereits Konsequenzen gezogen. In einem ehemaligen Kaufhaus einer westfälischen Kleinstadt sind heute die Stadtbibliothek, die Volkshochschule und mehrere Handwerksbetriebe untergebracht; im Erdgeschoss lädt ein Café zum Verweilen ein. (20) ……. Andernorts werden leer stehende Läden für einige Monate zu niedrigen Mieten an Gründerinnen und Gründer vergeben, die dort ihre Geschäftsideen erproben können. (21) ……. So ist in einer Kleinstadt im Allgäu aus einem befristeten Laden für regionale Keramik inzwischen eine Werkstatt mit fünf Angestellten geworden. Entscheidend ist in beiden Fällen, dass die Städte selbst die Initiative ergriffen haben, statt auf private Investoren zu warten.
Solche Beispiele machen Mut, sie dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Umbau einer Innenstadt Geld und vor allem einen langen Atem erfordert. (22) ……. Hier sind die Kommunen gefragt: Sie können Vorkaufsrechte nutzen, den Leerstand systematisch erfassen und gemeinsam mit Eigentümern, Händlern und Bürgerschaft tragfähige Konzepte entwickeln. Mit einzelnen Aktionen ist es dabei nicht getan; gefragt ist ein Plan, der über eine Wahlperiode hinausreicht. (23) ……. Die Innenstadt der Zukunft wird vielleicht weniger ein Ort des Kaufens sein und dafür mehr Wohnungen, mehr Grün und mehr Bildungsangebote bieten müssen. Gerade dadurch kann sie wieder zu einem Ort werden, an dem eine Stadt sich selbst begegnet.
Sätze zum EinsetzenBeispiel 0 und Sätze a–jBeispiel (0): In manchen Fußgängerzonen steht inzwischen fast jedes fünfte Geschäft leer.
a) Hinzu kommt, dass viele Eigentümer lieber an überhöhten Mieten festhalten.
b) Dorthin wanderte ein erheblicher Teil der Kundschaft ab.
c) Für die Händler in den Fußgängerzonen ist der Onlinehandel daher die einzige ernsthafte Bedrohung.
d) Seit dem Umbau kommen wieder deutlich mehr Menschen ins Zentrum.
e) Diese Erklärung ist bequem, greift aber zu kurz.
f) All diese Maßnahmen beruhen auf der Vorstellung, dass Menschen in erster Linie zum Einkaufen in die Stadt kommen.
g) Wer dagegen weiter allein auf den Handel setzt, wird in zehn Jahren vor noch mehr leeren Schaufenstern stehen.
h) Ein solcher Online-Marktplatz für lokale Geschäfte wird bislang allerdings kaum genutzt.
i) Mit ihnen ging genau das verloren, was eine Innenstadt von einem Einkaufszentrum unterscheidet.
j) Nicht jedes dieser Projekte übersteht die Probephase, manche aber werden zu festen Größen im Stadtbild.
16 Lücke (16)
17 Lücke (17)
18 Lücke (18)
19 Lücke (19)
20 Lücke (20)
21 Lücke (21)
22 Lücke (22)
23 Lücke (23)
Teil 4
Beiträge aus einer Fachzeitschrift
Arbeitszeit: 15 Minuten · Aufgaben 24–30 (7)
Wählen Sie bei jeder Aussage: Wer äußert das? Zwei Aussagen passen nicht. Markieren Sie in diesem Fall 0.
24–30 arasındaki her ifade için seçin: Bunu kim söylüyor (a, b, c)? İki ifade hiçbir yazara uymaz; o zaman «0»ı seçin. Bir yazar birden çok ifadeye uyabilir.
Sie lesen in einer Fachzeitschrift Beiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zum Thema „Ernährung der Zukunft“.
aSabine Hollerer, Professorin für AgrarökonomieDass in Mitteleuropa weniger Fleisch gegessen wird, lässt sich nicht mehr bestreiten: Der Pro-Kopf-Verbrauch sinkt seit Jahren, wenn auch langsamer, als manche Schlagzeilen vermuten lassen. Für die Landwirtschaft ist das weniger dramatisch, als oft behauptet wird. Viele Betriebe haben längst begonnen, neben der Tierhaltung Hülsenfrüchte wie Linsen oder Ackerbohnen anzubauen, für die es inzwischen eine verlässliche Nachfrage gibt. Manche Höfe beliefern damit sogar direkt regionale Bäckereien und Hersteller von Brotaufstrichen. Problematisch finde ich allerdings, dass die Politik diesen Wandel kaum begleitet. Fördergelder fließen nach wie vor überwiegend in Strukturen, die auf intensive Tierhaltung ausgerichtet sind. Wer jungen Landwirtinnen und Landwirten eine Perspektive bieten will, muss Investitionen in die pflanzliche Erzeugung genauso unterstützen. Andernfalls wandert die Wertschöpfung ins Ausland ab, und wir importieren am Ende Erbseneiweiß aus Übersee, statt es auf unseren eigenen Feldern zu gewinnen.
bLukas Brandstätter, Professor für ErnährungsmedizinIn der öffentlichen Debatte wird pflanzliche Ernährung gern pauschal als gesund bezeichnet. Aus medizinischer Sicht ist das zu einfach. Ein Burger aus Erbseneiweiß kann ebenso viel Salz und Fett enthalten wie das Original – mit einem Gemüseteller hat er wenig gemein. Entscheidend ist, wie stark ein Lebensmittel verarbeitet wurde, nicht, ob es tierischen oder pflanzlichen Ursprungs ist. Viele Ersatzprodukte werden zudem mit Zusatzstoffen angereichert, deren Wirkung auf Dauer noch kaum untersucht ist. Gleichzeitig sehe ich in der aktuellen Entwicklung eine echte Chance: Wer seltener Wurst und rotes Fleisch isst, senkt nachweislich sein Risiko für Darmkrebs sowie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ich plädiere deshalb für eine Kennzeichnung, die den Verarbeitungsgrad eines Produkts auf einen Blick erkennbar macht. Verbote halte ich dagegen für den falschen Weg. Sie erzeugen Trotz statt Einsicht – das lehrt jede Erfahrung aus der Gesundheitsaufklärung der vergangenen Jahrzehnte.
cMaren Oswald, Professorin für KonsumsoziologieErnährung war nie nur eine Frage der Nährstoffe, sondern immer auch eine der Zugehörigkeit. Was auf dem Teller liegt, signalisiert, zu welcher Gruppe man gehört – und genau deshalb verlaufen die Diskussionen über Fleisch so emotional. In unseren Befragungen zeigt sich ein deutliches Gefälle: Jüngere, gut ausgebildete Menschen in Großstädten verzichten häufiger auf tierische Produkte, während auf dem Land der Sonntagsbraten als Teil der eigenen Identität verteidigt wird. Wer dort auf Fleisch verzichtet, muss sich nicht selten rechtfertigen, als hätte er die Lebensweise der anderen kritisiert. Bemerkenswert ist, dass viele Befragte angeben, künftig weniger Fleisch essen zu wollen, ihre Einkäufe dann aber kaum verändern. Den größten Einfluss haben aus meiner Sicht deshalb nicht Appelle, sondern Kantinen, Mensen und Schulküchen. Wird dort das vegetarische Gericht zur selbstverständlichen ersten Wahl, ändern sich Gewohnheiten fast unbemerkt – und zwar dauerhafter als durch jede noch so gut gemachte Kampagne.
Beispiel
0 Der Fleischkonsum geht schon seit einiger Zeit zurück.
24 Was jemand isst, sagt auch etwas darüber aus, wo er sich gesellschaftlich verortet.
25 Ein gesetzliches Verbot bestimmter Fleischprodukte würde mehr bewirken als Aufklärung.
26 Die staatliche Förderung hinkt den Veränderungen in den Betrieben hinterher.
27 Ob ein Produkt aus Pflanzen besteht, sagt wenig über seinen gesundheitlichen Wert aus.
28 Zwischen erklärten Absichten und dem tatsächlichen Kaufverhalten klafft eine Lücke.
29 Fleischersatzprodukte werden in absehbarer Zeit billiger sein als herkömmliches Fleisch.
30 Vorschriften rufen eher Widerstand hervor, als dass sie ein Umdenken bewirken.
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